Freitag, 8. Januar 2016

07.01.2016 Maragua, Alojamiento Irupampa

Was für ein abenteuerlicher Tag! Früh mußte ich wegen der Hotelschließung (Ferien) ausziehen und mir was neues für die letzte Nacht morgen suchen. Irgendwas mit San Francisco um die Ecke habe ich gefunden, wo ich mein Gepäck gelassen habe. Es war dann erstmal schwierig einen Bus oder ein Taxi dahin zu finden, von wo man nach Chataquila bzw. Chaunaca kommt - in der Cordillera de los frailes. Das ist Luftlinie zwar kaum 20km weg - aber eine andere Welt. Ja - und außerdem war meine Brille kaputt - ein Glas war rausgefallen und die Halterung gerissen. Ich mache mich also einäugig auf den Weg. Das Taxi, dass ich schließlich fand, brachte mich genau dahin, wo ich wollte - die ersten hatten es nicht gewußt. 15 Bolivianos dafür. Dann standen die Lkws schon dort - es waren aber noch fast 2h bis zur Abfahrt. Zeit zum Bummeln und frühstücken. Erstaunlicherweise war da gleich ein Werkzeugladen und ich bekam ein Stück  Angelschnur und konnte meine Brille fachgerecht reparieren. Dann gab es noch einen dünnen Kaffee, ein Milchbrötchen und schließlich war ich auf den Laster aufgestiegen. die Ladefläche war mannshoch verbreitert und mit mir kamen dann insgesamt fast 20 Erwachsene und 4 Kinder zusammen und jede Menge Fracht wie Weizen und andere große Bündel. Eine Frau stillte ihr Baby, neben mir saß ein alter Indio, der so groß war wie ich, wenn er auf drei Säcken Weizen stand. Es waren natürlich nur Indios auf dem Truck und die Fahrt kostete auch nur 10 Bolivianos für 1,5h etwa. Zwischendurch kletterten bei einem kurzen halt Frauen auf die Bordwände und verkauften Frühstück, für mich ein fleischloser Burger mit Pommes und Ei für 3 Boliviano. Chataquila hatte ich dann genau zum richtigen Zeitpunkt bemerkt dank Samsung, GPS und Google maps. Da der Bus nicht hielt, war die Entscheidung für Chaunaca gefallen. Im ersten Moment eine Fehlentscheidung: kürzlich war ein Bus mit 20 Leuten abgestürzt - alle tot (stand im www). Und soo eine Straße bin ich noch nicht mal im Himalaja runter gefahren. Schwindelerregende enge Kurven auf unbefestigtem Boden, keine Leitplanken oder Begrenzungssteine. Mehr als einmal kam Gegenverkehr - mit 5cm Abstand passierten wir. Wäre ich nur den steilen Inka-Pfad von Chataquila runter gestiegen! 
Gut : wir waren heil angekommen und der Fahrer ließ mich am Abzweig nach Maragua raus. Dort gab es einen Stand mit Getränken - eine bolivianische Cola für mich. Der Anstieg nach Maragua war nicht steil - dennoch in der meist prallen Sonne sehr fordernd. Ich brauchte jede Menge Pausen und war froh über meine Wanderstöcke. Gegen 16 Uhr (nach 4h) war ich in Maragua angekommen. Die Landschaft ist total lieblich und wunderschön, es gibt traumhafte alte Bauernhöfe, mit roten Ziegeln gedeckt. Mein erster Abstecher ging zum Schlund des Teufels, neben einem hohen dünnen Wasserfall. Stalaktiten und Stalakmiten formen die grünen Zähne des Ungeheuers. Nach einer Pause und nachdem ich ein gewobenes Armband von einem Mädchen, das aus dem Nirgendwo auftauchte, für 5 Boliviano gekauft hatte, machte ich eine kurze Pause im Flusslauf. Ein Weg führte zu wunderschönen cottages für die Nacht - dort war nur keiner in der Nähe. Ich lief weiter und fand nach einigem suchen mein recht vergammeltes Alojamiento. Aber ich war so froh, meinen Rucksack loszuwerden und ohne zum vermeintlichen Krater zu wandern. 25 Boliviano kostet die Nacht - nicht einmal 4 Euro. Bei der Frau, die die Schlüssel hatte, hatte ich mich dann zum Abendbrot eingeladen - ich war hungrig und ziemlich kaputt und entkräftet. Aber also erstmal den Krater suchen. Ich wunderte mich schon, warum mir keiner den Weg zeigen wollte. Ich folgte viele Kilometer einem Flusslauf - und fand dann mit Google maps heraus, dass ich ja schon mitten im Krater bin. Ich hatte eine Art bizarre Mondlandschaft erwartet. Daher war ich im ersten Moment auch etwas enttäuscht. Wenig nach dieser Erkenntnis kehrte ich um und das tief eingeschnittene Flussbett wurde vor den Bergen in der Abendsonne zu einem wunderbaren Fotomotiv. Ich habe unzählige wunderbare Fotos gemacht. Das war auf einmal so schön! Weil es bergab ging war auch die Anstrengung vorbei. Schließlich sah ich eine alte gebeugte Greisin an einem waghalsigen Abgrund voller Vulkanasche langlaufen. Meinen Tipp, auf meiner Seite zu gehen, lehnte sie ab. Aber auch sie war heil angekommen. So wie mir die Hütehunde der Ziegenherde nichts taten in dem Cañon, dem ich nicht entfliehen konnte.

In meinem Hostel war die Tür ins Schloß gefallen und ließ sich nicht öffnen. Gegenüber baumelte eine Steckdose vom Strommast - ich konnte mein Handy etwas laden, weil ich im Zimmer keinen Strom habe. Schließlich ging ich in das Bauernhaus: die große Tochter (die Frau hat 7 Kinder und spricht als einzige Spanisch) kochte mir auf offenem Feuer Kartoffeln und Eier. Eine Delikatesse bei meinem Hunger. Die Kinder wuselten dabei alle umher. Schließlich bot mir die große fast erwachsene einen traditionell gewonnen Gürtel an - mit den typischen Motiven. 150 Boliviano sind eine Menge Geld. Ich habe nicht verhandelt und kurz konnte sie die große Freude nicht überspielen - ich habe viel zu teuer gekauft. Aber so wie die Familie dort mit den paar Rindern, dem Esel und dem Huhn im Baum im Innenhof lebt, können sie das Geld gut gebrauchen. Ich habe mehr als 150 Euro gespart, weil ich die Tour ohne guide mache. Es gab einen Backofen, Strom und Radio oder Fernsehen (ich hörte nur, dass ein Programm lief). Undichte Holztüren, kein befestigter Boden - alles sehr ärmlich. Die große Tochter hatte dennoch ein Handy und hörte Musik beim Kochen. Als ich fotografierte, lachten die Kinder alle. Eigentlich hieß es, dass die Chal'qa keine Fotos mögen - die sprechen übrigens Quechua. Die Sprache klingt nicht sehr fremd für unsere Ohren. Vielleicht ist Quechua nicht soweit von den europäischen Sprachen weg.
Schließlich wurde mit einem großen Messer meine Tür in der Dunkelheit aufgehebelt. Ich suchte mir eines der fast 10 Betten aus, fand ein sauberes Laken und zwei Decken und muß so nicht meinen Schlafsack auspacken.
Ich lade das Handy mit dem Powerpack und freue mich, meine Eindrücke gleich heute aufschreiben zu können.
... und hier die besten Fotos vom Galaxy. Das Ding macht sooo tolle Fotos, dass ich die Exilim eigentlich nur nehme, wenn ich den Zoom brauche. 

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