Früh 8.15 Uhr nach einem Frühstück im Oriental Hotel ging es los. Vorm Büro der travel agency wurde ich von einer Frau abgeholt und 8.45 Uhr fuhr das Boot los. Etwas weniger als 2,5 h haben wir bis hierher gebraucht. Nur anfangs noch auf dem Rio Bení waren uns noch Boote begegnet. Hier auf dem T..ch... fluß ist es viel ruhiger und man merkt, dass man im Nationalpark ist. Am Anfang der Fahrt war es sogar noch sonnig, es fing aber bald an heftig aber warm zu regnen. Ich konnte mich auf der ersten Reihe mit einem Poncho vor der Nässe schützen. Außerdem hatte ich meine goretex Jacke an und eine Schwimmweste. Zu warm war es auf der ganzen Fahrt nicht.
Eine Stunde vor dem Mittagessen war ich hier. Ich hatte Zeit, meine Hütte in Besitz zu nehmen und in der Hängematte zu faulenzen. Ich lag nicht lange, da sah ich die ersten Kolibris. Braune und blaue gibt es. Die Braunen sind recht häufig, einen blauen sah ich nur kurz. Außer mir sind hier ein Ami mit zwei Mädels, ein etwas sonderbarer Argentinier (oder er scheint nur so, weil er kaum English spricht), ein netter Holländer aus Eindhoven und eine etwas pummelige Engländerin. Ein deutsches Pärchen aus Heidelberg war gegen 14 Uhr abgereist. Meine erste Dschungelwanderung begann 15 Uhr und dauerte fast 3 Stunden für vielleicht 5-6km. Wir sahen drei verschiedene Affen, eine Art sehr lange und ziemlich aus der Nähe. Den am seltensten anzutreffenden sah ich nur schemenhaft. Wildschweine haben wir aus nächster Nähe gehört. Am Fluss, wo die Tiere Salz lecken, gab es Spuren von Tapiren und Hirschen oder Rehen. Faszinierend fand ich den laufenden Baum (socratea exiraiz - oder so). Der Baum bewegt sich mit seinen vielen dornigen Wurzeln ins Licht. Ganz langsam - klar. Ein anderer Baum lebt in Symbiose mit einer Art Feuerameise. In seinem Inneren sind Kappillaren, in denen die Ameisen leben. Sie schützen den Baum vor Feinden und halten den Boden um den Stamm frei von Konkurrenten um das Licht. In einem Erdloch lebten riesige Ameisen, die Feinde wie mit Projektilen beschießen (oder so ein Gefühl hervorrufen), das bis zu 24 h extrem schmerzen soll. Tödlich ist das Gift jedoch nicht. Einen blauen Käfer wie eine Perle gab es noch, Rinde eines Baumes gegen Durchfall. Im Wasser am Fluß gegen die schon fast untergehende Sonne schwamm ein super schlanker Vogel, vielleicht ein Komoren - dafür wirkte er aber viel zu elegant. Natürlich war da noch viel mehr, was mir der guide gezeigt hatte.
Zum Abendbrot gab es super leckeren, grätenfreien Fisch in einem Blatt mit Gemüse vermengt gedünstet. Das mit Reis und Maniok (Yukka). Danach habe ich mit meinem guide gefühlt stundenlang über sein Dorf San José (5h von hier flussauf) gesprochen, über die Kirche, die Gründung des Dorfes, die Schule, ihn über den Schamanen und etwaige Konflikte mit der Kirche ausgefragt, zu Krankenhäusern, Strom, Wasserversorgung etc. Schule und eine kleine Krankenstation gibt es. Als er klein war, wurde das Wasser in dem 700Seelen-Ort noch aus dem Brunnen geholt. Heute gibt es Wasserleitungen - Strom oder Telefon oder Straßen gibt es nicht. Nur Wege für zu Fuß oder mit dem Moped. Händler laufen bis zu 35 km mit der Ware auf dem Rücken - Märkte gibt es keine. Aber alles was er von seinem Heimatdorf erzählt hat, hat mich total neugierig gemacht. Und ich war völlig fasziniert, wie gut ich mit ihm reden konnte. Er verstand mich prima und half mir aus, wo nötig. Und ich verstand bis auf wenige Worte auch alles. Das macht riesigen Spaß - auch wenn jeder meiner Sätze wahrscheinlich nur so vor Fehlern strotzt. Aber ich bin wieder ziemlich flüssig in der Sprache und versuche mir unbekannte Wörter einfach so umzuwandeln, dass die Spanisch klingen - und meist klappt das. Knochenbruch - Fractura ist so ein Beispiel. Man kann sich nicht blamieren. Allenfalls kommt was komisches raus, falls man einen "falschen Freund" erwischt. Auch meine "Alma" als Frage nach der beseelten Natur hat er verstanden - das heißt hier aber einfach nur Spiritu. Und ja - man glaubt da schon daran und respektiert die Natur. Und der Schamane ist im Ort eine der respektiertesten Personen, charismatisch, überhaupt nicht reich sondern einer der ärmsten. Er nimmt kein Geld für seine Leistungen - allenfalls Lebensmittel. Er nimmt Coca -Blätter, manchmal ein kleines bisschen Alkohol, gelegentlich wird ein Tier geopfert ( aber nicht mit Blut etc. ), aber dann von den Leuten allen gegessen.
Aber ich kann nicht alles aufschreiben - es ist nur herrlich, so fragen zu können und Antworten zu bekommen. Und zwischen Kirche und Schamanen gibt es keinen Konflikt. Er ist auch Christ - der älteste Sohn des letzten Schamanen. Spricht Quechua, Spanisch und T..., die locale Sprache. Na hoffentlich kann ich bei all den Eindrücken jetzt noch einschlafen....
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